Gedenken an die Opfer

Anno 1944 erhielt Frank Martin (1890-1974) von einem Genfer Radiosender den Auftrag, ein Werk für Chor und Orchester zu komponieren. Es sollte am Tag des Kriegsendes im Radio gesendet werden. Zunächst schrieb der Schweizer Komponist, wie er sagte, „zeitweise mit den alliierten Armeen um die Wette eilend“. Schließlich dauerte es noch mehr als ein halbes Jahr, bis sein Oratorium „In terra pax“ am 8. Mai 1945 im Rundfunk uraufgeführt wurde.

Auf den Tag genau 60 Jahre später erklingt Martins Opus in der St.-Nikolai-Kirche. Die dortige Kantorei und ihr Leiter Matthias Hoffmann-Borggrefe möchten damit des Endes des Zweiten Weltkrieges gedenken – in einer Kirche, deren Geschichte ebenfalls vom Krieg gezeichnet ist. St. Nikolai ist eine Kirche an zwei Orten: Anders als die anderen Hauptkirchen entschied sich die Gemeinde nach dem Krieg, ihre zerstörte Kirche am Hopfenmarkt nicht wieder aufzubauen, sondern in Harvestehude einen Neubeginn zu wagen.

Auf dem Programm stehen außerdem Werke von Schönberg: „Friede auf Erden“ von 1906 („Eine Illusion, wie ich heute weiß, der ich 1906, als ich sie komponierte, diese reine Harmonie unter Menschen für denkbar hielt“, schrieb Schönberg später) und „Ein Überlebender aus Warschau“ von 1947. Dieses Werk geht auf Berichte von Augenzeugen der Judenvernichtung in Polen zurück.

bbr

„Hamburger Abendblatt“ vom 04.05.2005

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