Hamburger Camerata auf Mozarts Spuren

„Hals über Kopf“ hat Wolfgang Amadeus Mozart nach eigener Auskunft seine sogenannte „Linzer Sinfonie“ in C-Dur komponiert, doch nichts weist darauf hin, daß sie von ihm mit heißer Nadel und leichten Sinns gefertigt wurde. Etwas mehr Leichtigkeit hätte man sich allerdings von Matthias Hoffmann-Borggrefe gewünscht, der die Hamburger Camerata in der Hauptkirche St. Nikolai als musikalische Schwester im Geiste der „Großen Messe in c-Moll“ von Mozart interpretierte, die anschließend erklang.

Während Borggrefe in der „Linzer“ zwar mit großer Emphase und gestischem Aufwand dirigierte und dabei manche Feinabstimmung bei den Ersten Geigen zu wünschen übrigließ – die Holzbläser waren allerdings vorzüglich -, war die „Große Messe“ wie aus einem Guß. Der Kantor war an diesem Abend überzeugender als Chor- denn als Orchesterleiter. Schon das einleitende Kyrie, vom Chor zaghaft im Leid, ganz verhalten gesungen, macht die Qualität dieser Sängergemeinschaft deutlich, die immer präzise, im Forte wie im sanftesten Pianissimo, alle Emotionen ausschöpft. Das Solistenquartett mit zwei Sopranen, einem Tenor und einem Bariton harmonierte vorzüglich, wobei Gudrun Sidonie Otto mit ihrer Stimme berückte – ganz leicht ansprechend und in allen Registern ausgeglichen.

MN

„Die Welt“ vom 04.07.2006

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