Wo Tradition auf Moderne trifft

KANTOREI ST. NIKOLAI

Wo Tradition auf Moderne trifft
Die Kantorei St. Nikolai feiert ihr 50-jähriges Bestehen

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Sie gehört zu St. Nikolai wie das umstrittene Altarbild von Oskar Kokoschka, das den gekreuzigten Christus mit einem mordlüstern grinsenden Römer zeigt: Die Kantorei St. Nikolai feiert 50-jähriges Jubiläum und bleibt auch bei den beiden Jubiläumskonzerten ihrem Anliegen treu, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden.

„Sie hat Bildungsarbeit geleistet. Dazu gehört auch, immer mal wieder gegen den Strom zu schwimmen“, erklärt Hauptpastor Ferdinand Ahuis den rund 400 Besuchern, bevor sich die Kantorei zusammen mit der Hamburger Camerata unter der Leitung von Matthias Hoffmann-Borggrefe nach „Golgotha“ begibt. Das gleichnamige Oratorium des Schweizer Komponisten Frank Martin ist so ein Schwimmen gegen den Strom ausgetretener Kirchenmusikpfade, allerdings mit deutlichen Anklängen an Altmeister Bach.

Mit über hundert Chorsängern und fünf hervorragenden Solisten (Thomas Laskes „Jesus“ glänzte hier besonders) geriet das Nachkriegsstück zu einer ebenso opulenten wie anrührenden Leidensgeschichte. Hier wurde auf höchstem Niveau musiziert, zuweilen mit wahrhaft theatralischem Trubel.

Dabei hatte alles ganz bescheiden angefangen. 1957 trafen sich 12 Sänger in einem kleinen Zimmer am Harvestehuder Weg, um mit Walter Gebhard Buxtehude-Kantaten einzustudieren. Schon zwei Jahre später sang man Händels Messias mit 70 Sängern in St. Michaelis. Als 1962 die neue Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern eingeweiht wurde, hatte die Kantorei endlich ihr eigenes Haus. Inzwischen ist sie aus dem Hamburger Musikleben nicht mehr wegzudenken. Herzlichen Glückwunsch!

„Hamburger Morgenpost“ vom 02.04.2007

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