St. Nikolai: Bachs h-Moll-Messe

Ein Chor, der sich selbst zum 50. reich beschenkte

Seit 50 Jahren gibt es die Kantorei St. Nikolai, am Sonnabend sang sie in der Hauptkirche am Klosterstern Bachs h-Moll-Messe. Kein einfaches Unterfangen für einen Laienchor, denn Bach behandelt in dem Zweistundenwerk die Singstimmen oft mit instrumentaler Virtuosität. Keine Probleme hatte der Chor mit den schnellen Partien („Cum sancto spiritu“; „Et expecto ressurectionem“, „Osanna“), während in den langsamen Sätzen mit deren oft delikater Chromatik fehlende Atemtechnik zu intonatorischen Schwächen führte („Qui tollis peccata mundi“, „Et incarnatus est“). Den Eindruck eines sehr anhörbaren Chorklangs trübte das nur wenig, trotz großer Ungleichgewichte in der Besetzung der Stimmen (nur zwölf Tenöre) und der Frage, ob man Bachs Chorwerke noch mit mehr als 100 Sängern aufführen oder auf mehr Transparenz setzen sollte – zeitweise ging das Orchester in der Stimmwolke unter.

Die Hamburger Camerata und das makellose Trompetenensemble Matthias Höfs standen unter der Leitung von Matthias Hoffmann-Borggrefe, der mit gewaltigem Körpereinsatz dirigierte. Dennoch hätte man sich die Tempi hier und da durchdachter gewünscht: Die aufgewühlt flatternden und lobpreisenden Engel aus der Weihnachtsgeschichte („Gloria“) erlahmten beim Friedensgruß „Et in terra pax“ zu einem schlaftrunkenen Chorsatz, auch im „Kyrie“ kam der gigantische Spannungsbogen von Bachs Komposition nicht zur Wirkung. Im Solistenquartett glänzte Sopranistin Tina Scherer, mit vollem und warmem Alt auch Kaja Plessing, etwas gepresst klang Tenor Michael Connaire, nicht ganz in Bestform: Bass Jan Buchwald.

Am Ende blieb der Eindruck einer Aufführung, die in vielen Anstrengungen der kirchenmusikalischen Alltagsarbeit zu einem Ganzen gewachsen ist, auf das dieser Chor stolz sein kann.

hjf

„Hamburger Abendblatt“ vom 04.06.2007

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