Leidenschaft statt Gepiepse

Weltlich-warmblütige Werke von Wagner und Schönberg rahmen zwei Sakralkompositionen von Verdi und Boulanger: Unter dem Motto „Grenzüberschreitungen“ hat Kantor Matthias Hoffmann-Borggrefe seinen Hörern in der gut gefüllten Hauptkirche St. Nikolai ein spannendes spätromantisches Programm präsentiert. Das Konzept ging auch größtenteils auf – weil die rund 100 Mitglieder umfassende, altersmäßig gut durchmischte Kantorei in den geistlichen Stücken eine für Laienensembles exzellente klangliche Strahlkraft entfaltete und dabei ebenso lebendig wie kontrastreich musizierte: Solide unterstützt von der Hamburger Camerata und glanzvoll ergänzt durch Solistin Katja Pieweck, wurde nicht etwa zaghaft rumgepiepst, sondern saftig, gut gestützt und leidenschaftlich losgesungen.

Mit den beiden A-cappella-Werken hat Hoffmann-Borggrefe sich indes keinen Gefallen getan: Schönbergs „Friede auf Erden“ und die 16-stimmige Wagner-Bearbeitung „Träume“ sind auch für einen ambitionierten Amateurchor zu schwer und nur annäherungsweise zu bewältigen – selbst wenn er zur Spitzengruppe der Hamburger Kantoreien gehört. Auch das eine Grenzüberschreitung. Ansonsten ein sehr schönes Konzert.

Stä

„Hamburger Abendblatt“ vom 17.11.2008

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