Die Hauptkirche St. Nikolai steht seit Generationen für erstklassige, innovative und vielseitige Orgelkultur.

In Architektur und Ausstattung ist sie die modernste der fünf Hamburger Hauptkirchen. Das drückt sich auch in der kirchenmusikalischen Arbeit aus: In St. Nikolai ist die Orgel als gottesdienstlicher Akteur nicht nur hör-, sondern auch sichtbar. Gleich neben dem Ort der Chöre und in direktem Gegenüber zu Kanzel und Altar steht sie in einer einmaligen Dialogsituation. Der „Dialog“ zwischen Tradition und Moderne, Musik und Wort, Kunst und Liturgie soll die kirchenmusikalische Arbeit in besonderer Weise bestimmen.

Die Orgel von Neu-St. Nikolai wurde zu Beginn der 1960er Jahre konzipiert und ist ein bedeutendes Zeugnis der Orgelbauepoche des Neobarock mit den entsprechenden Klangvorstellungen dieser Zeit. Sie sollte ein Instrument nicht nur für die traditionelle, sondern auch für die neuere Orgelmusik sein. Innerhalb der Hamburger Orgellandschaft nimmt sie als klingender Zeitzeuge eine Sonderstellung ein. Wegen der zum Teil leider unzureichenden Materialqualität und technischer Probleme sind heute nur noch wenige Orgeln dieser Art (annähernd) original erhalten.

Größte Orgel im deutschsprachigen Raum

Das Ende des 17. Jahrhunderts gilt als Hochblüte der norddeutschen Orgelschule. 1682 setzte der Kirchenvorstand von St. Nikolai dieser Entwicklung die Krone auf, indem er Arp Schnitger mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragte. Der junge Stader Orgelbauer baute fünf Jahre an diesem Instrument und berücksichtige dabei alles, „was die damalige Technik an Vollkommenheit ermöglichte“. Heraus kam die damals größte und prachtvollste Orgel im deutschsprachigen Raum. Sie verfügte über 67 Register, vier Manuale und mehr als 4000 Pfeifen.

Sowohl die Kirche als auch die Schnitger-Orgel fielen dem großen Hamburger Brand von 1842 zum Opfer. In der neugotischen Kirche wurde von Orgelmeister Ernst Röver 1890 wieder ein wegweisendes Instrument gebaut. Diese Orgel mit 101 Registern auf drei Mannualen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Neue Orgel für St. Nikolai

Trotz früherer Bemühungen und mehrerer Umbauten genügt die zu Beginn der 1960er Jahre erbaute Peter-Orgel in St. Nikolai nicht mehr den kirchenmusikalischen Anforderungen. Sie hat erhebliche technisch bedingte und klangliche Defizite.

  • Einige Pfeifen sind wegen Materialermüdung beschädigt.
  • Die elektrische Tontraktur, die Tasten und Pfeifen verbindet, ist künstlerisch unbefriedigend.
  • Die Werkanordnung und klangliche Anlage erschweren die Chorbegleitung.
  • Stimmhaltung und Windversorgung sind nicht stabil.

Es ist Zeit, sich an die Innovationstradition der Nikolai-Orgeln zu erinnern und die Peter-Orgel zu restaurieren und neu zu gestalten.