Regionaler Open-Air-Gottesdienst zum Himmelfahrtstag mit Vikarin Anna Kühleis, mit Pastorin Dr. Claudia Tietz, mit Pastorin Anja Blös
Mai
Regelmäßig veröffentlichen wir an dieser Stelle Predigten unserer Gottesdienste
Ein Rückblick:
„Es wird sein in den letzten Tagen, / so hat es der Prophet geschaut, / da wird niemand Waffen mehr tragen, / deren Stärke er lange vertraut. / Schwerter werden zu Pflugscharen und Krieg lernt keiner mehr…“
„Welch ein Traum! Die Menschen werden es verlernen, Kriege zu führen.“ Wovon träumen wir und was sind unsere Sorgen und Gedanken angesichts der weltpolitischen Lage? Die Zweite Politische Kanzel machte sich auf den Weg in die Führungsakademie der Bundeswehr nach Blankenese, in die mennonitische Gemeinde nach Hamburg Altona, setze sich dem Film „20 Days in Mariupol“ aus und diskutierte mit prominenten Gästen aus Kirche, Wissenschaft und Militär zur Friedensdenkschrift der EKD „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick“ in St. Nikolai. Bereichernde Begegnungen und einen anregenden Austausch zur Friedensethik nehmen wir aus diesen Wochen mit.
Neue Einsichten, auch Sorgen und viele unserer Gedanken haben wir im Gottesdienst am 01. Februar 2026 in St. Nikolai mit aufgenommen.
„Eingangsworte zur politischen Kanzel
Mit dem heutigen Gottesdienst geht die zweite politische Kanzel der Gemeinde St. Nikolai zu Ende. Grund für diese politische Kanzel war die zunehmende Wirkung des durch den russischen Angriff geführten Krieges in der Ukraine in Europa und in Deutschland. Das Erscheinen der friedensethischen Denkschrift der EKD im November des vergangenen Jahres unter dem Titel „Welt in Unordnung-Gerechter Friede im Blick“ war dann der Anlass, das Thema Frieden aufzugreifen.
Wie schon bei der ersten politischen Kanzel haben wir uns dafür entschieden, aus der Gemeinde rauszugehen und Exkursionen zu anderen Einrichtungen zu organisieren. Wir wollten damit unseren Blick auf das Thema erweitern und umgekehrt auch unser Anliegen über die Gemeindegrenzen hinaustragen. Zugleich wollten wir das Thema an mehreren Abenden vertiefen.
Die Gefährdung des Friedens durch den Krieg in der Ukraine prägte von Beginn an die geplante Gesprächsreihe. Wir konnten über das Thema Frieden nicht sprechen, ohne den Krieg in der Ukraine und seine Folgen auch für uns vor Augen zu haben.
So haben wir gleich zu Beginn die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese besucht und haben vom dortigen Kommandeur einen Einblick in die aktuelle Sicherheitslage bekommen, was viele von uns von dem Besuch erwartet hatten. Wir waren dann sehr überrascht, dass zusätzlich zu dieser Einführung die unabhängige Dozentin der Fakultät für Politik und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie die Unterschiede zwischen Sicherheits- und Friedenslogik herausarbeitete und überzeugend darlegte, dass das Streben nach Frieden sehr viel umfassender ist als das reine, zurzeit vorherrschende Sicherheitsdenken.
Dabei wurde deutlich, dass die Friedensschrift der EKD in kirchlichen Kreisen und überhaupt unter Christen nicht unumstritten ist. Das haben wir konkret bei unserem Besuch der Mennonitengemeinde in Altona erfahren, deren Mitglieder eine Anwendung von Gewalt ohne Wenn und Aber ablehnen. Sie finden sich in der Schrift nicht wieder und zeigten auf, wo aus ihrer Sicht die EKD nicht konsequent in der Friedenswahrung bleibt. Wir haben dabei auch viel über die Geschichte der Mennoniten und ihre Verbreitung erfahren.
Am Abend vor der Podiumsdiskussion haben wir im Kino den Film „20 Tage in Mariupol“ gesehen, der aus nächster Sicht den Einmarsch russischer Truppen in dieser Stadt gleich zu Beginn des Krieges im März 2022 dokumentierte. Ein schwer auszuhaltender Film, der Schmerz, Angst, Trauer und Leiden der Zivilbevölkerung darstellt und durch seine Unmittelbarkeit die Wirkung des Krieges in unseren Tagen in einer für uns vollkommen ungewohnten und schonungslosen Form zeigt.
Die große Podiumsdiskussion am 19. Januar mit gut zweihundert Besucherinnen und Besuchern hier in St. Nikolai hat ganz unterschiedliche Positionen aufgezeigt. Die Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Fehrs, hat die Friedensdenkschrift knapp vorgestellt und wo es Not tat auch verteidigt. Wir hatten den Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr, einen katholischen Professor für christliche Gesellschaftslehre sowie eine Professorin des Instituts für Friedensforschung auf dem Podium. Wer dabei war, weiß, wie intensiv die zweistündige Diskussion geführt wurde und wie aufgeschlossen das Auditorium mit Fragen und Kommentaren daran teilgenommen hat. Spätestens jetzt konnte man verstehen, wie schwierig der Weg zur Abfassung der Friedensdenkschrift war.“
Dr. Ingo von Voss
„Matthäus 5, 1-10: Die Bergpredigt
Die Seligpreisungen
1Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. 2Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
3Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Bitte nehmen Sie doch noch einen Moment Platz.
Selbst diejenigen unter uns, denen es über die Weihnachtstage gelungen ist, das Leid dieser Welt und das Kriegsgeschehen vielleicht auch nur für ein paar Tage auszublenden, wurden dann wohl schnell von der sogenannten Realität eingeholt.
Hunger, Kälte, das grausame Sterben von Kindern, Frauen, Soldaten…
Gefühle von Trauer, Fassungslosigkeit und Ohnmacht mischen sich bei mir mit dem Wunsch nach einem geraden Rücken - Einstehen für unsere Demokratie, unsere Werte, unsere Freiheit, ja natürlich - aber doch nicht mit Gewalt! Und dann irgendwie doch die innere Bereitschaft zur Gegenwehr - wir müssen den destruktiven Kräften dieser Welt doch etwas Wirksames entgegensetzen können!
Ich bin dankbar, dass meine Kirche mich mit diesen widersprüchlichen Gefühlen nicht allein lässt. Im Rahmen der politischen Kanzel konnten wir sie offen ansprechen, konnten abwägende Standpunkte diskutieren und auch klare einseitige Positionierungen bedenken, z.B. die der Mennoniten, bei denen Frieden Teil der eigenen Identität ist. Ingo von Voss hat dies eben schon angesprochen.
Die weiterentwickelte Friedensdenkschrift der EKD ist ebenfalls Ergebnis eines intensiven und kontroversen Ringens. Sie öffnet den Raum für eben solche Fragen und Diskussionen und will aus christlicher Perspektive Orientierungshilfe geben im Hinblick auf eine tragfähige friedensethische Position. Dabei liegt heute - und das ist wohl mehr als eine bloße „Akzentverschiebung“ - ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Schutz vor Gewalt, wenn nötig auch durch Gegengewalt oder durch deren Androhung. Und genau hier setzt dann ja auch die hörbare Kritik an der Friedensdenkschrift an.
Dabei fordert uns die - zunächst eher theoretische anmutende - Abgrenzung der Sicherheitslogik von der Friedenslogik besonders heraus, wie die Veranstaltungen im Rahmen unserer Politischen Kanzel mehrfach gezeigt haben. Was bedeutet diese Gegenüberstellung denn praktisch? Eine Überlegung hat mich hierzu besonders beeindruckt:
Die Sicherheitslogik setzt immer eine Bedrohung von außen voraus, die dann durch Verteidigung und Selbstschutz bei vorrangiger Verfolgung der eigenen Interessen bekämpft wird.
Die Friedenslogik zielt dagegen auf die gewaltlose Transformation eines Konfliktes. Dabei grenzt sie die eigenen Anteile am Konflikt nicht aus und erkennt die legitimen Interessen aller Konfliktparteien an, was regelmäßig auch die Bereitschaft zur Anpassung der eigenen Interessen erfordert. Ein gerechter Friede muss die Interessen der Gegenseite stets mitdenken und respektieren, und er ist eine Daueraufgabe.
Aber noch einmal zurück zur Friedensdenkschrift – sie setzt auf Gewissensbildung, auf Achtsamkeit und auf die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch jeden Einzelnen. Das macht mich zuversichtlich!
Zugleich erinnert sie nachdrücklich an das Friedensgebot des Evangeliums, nicht als schneller und einfacher Lösung, aber als zentrale Perspektive unserer Hoffnung!“
Dr. Annette Flormann-Pfaff
„Friede als Grundmotiv christlichen Handelns und der Hoffnung
Gottesdienst zum Abschluss der Zweiten Politischen Kanzel zur Friedensethik mit Kantorei St. Nikolai am Letzten Sonntag nach Epiphanias,
1. Februar 2026, 10 Uhr, St. Nikolai
„Es wird sein in den letzten Tagen, / so hat es der Prophet geschaut, / da wird niemand Waffen mehr tragen, / deren Stärke er lange vertraut. / Schwerter werden zu Pflugscharen und Krieg lernt keiner mehr…“ (EG 426,2). Zum Ende des Gottesdienstes singen wir dieses Lied. Es nimmt die alttestamentliche Lesung aus dem Buch des Propheten Micha auf: „In den letzten Tagen… wird Gott unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ (Micha 4,3).
Welch ein Traum! Die Menschen werden es verlernen, Kriege zu führen. In Deutschland diskutieren wir gerade über den neuen Wehrdienst. Der sorgt unter Jugendlichen für Gesprächsstoff. Viele fragen sich: Wird man wirklich eingezogen? Was bedeutet das für mein Leben? Micha zeichnet das Bild einer befriedeten Welt. Es setzt voraus, dass die Herrschaft Gottes über die Welt aus Ihrer Verborgenheit tritt und vor den Augen der Völker offenbar wird. Die Völker beginnen, nach dem wahren Willen Gottes zu fragen. Befolgen die Völker diesen Willen, brauchen sie keine Kriege mehr zu führen. „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ – Mich faszinieren diese prophetischen Worte aus dem 8. Jh. v. Chr. Angesichts der Kriege und Krisen unserer Tage klingen sie revolutionär. Sie sind utopisch. Aus ihnen spricht eine tiefe menschliche Sehnsucht: Einst, in der Zeitenwende, machen sich die Völker und Nationen auf zum Gottesberg, dem Zion. Im vollkommenen Frieden!
Das Gottesvolk aber – Israel, auch die Kirche – macht sich schon jetzt zum Handeln bereit! Auch wenn in der Völkerwelt noch keine Zeichen der Veränderung in Richtung auf die Verheißung erkennbar sind: „Wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!“ (Mi 4,5). Michas Worte atmen die Sehnsucht nach Frieden. Bis heute – Als Aufnäher waren die Worte „Schwerter zu Pflugscharen“ ein bedeutendes Symbol der Friedensarbeit in der DDR. Es bedurfte Mut, dieses Emblem zu tragen. Das klare Bekenntnis zum Gewaltverzicht klingt auch im Slogan der westdeutschen Friedensbewegung an: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Als Ende der 1980er Jahre die Entspannung einsetzte und entlang der innerdeutschen Grenze die Mauer fiel, schien vielen der ersehnte Frieden zum Greifen nahe.
Gewiss, es wurde auch in Europa weiterhin gekämpft: Im ehemaligen Jugoslawien. Infolge von 9/11 völkerrechtswidrig im Irak. Auf der Krim. Kriege an so vielen Orten der Erde! Doch erst der russische Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 rückte die akute Bedrohung des Friedens ins eurozentrische Bewusstsein. Die Friedensdenkschrift der EKD sagt es so: Wir leben in einer „Welt in Unordnung“. Der Wille zur Verständigung schwindet. Interessenskonflikte sind unübersehbar. Dazu setzen autokratische Mächte ihre eigenen Interessen mit allen Mitteln durch, ohne dies zu kaschieren. – Micha hatte einst ähnliche Praktiken vor Augen, als er klagte: "Weh denen, … sie begehren Äcker und nehmen sie weg, Häuser und reißen sie an sich. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und Erbe." Seit alters steht christliche Friedensethik in der Spannung zwischen einer endzeitlichen Erwartung des Friedens, von der Micha spricht, und den Konflikten dieser Welt.
Wie ist Frieden also möglich in einer Welt, in der wir Liebe und Mitmenschlichkeit erleben, aber auch Bosheit und Gewalt? Vereinfacht gesprochen stehen sich zwei Positionen gegenüber:
Da sind auf der einen Seite jene Christ*innen, die sich in einer pazifischen Tradition begreifen. Sie berufen sich etwa auf das friedenspolitische Credo des Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit“ (DBW 13, 300). Sie akzentuieren den Vorzug der Gewaltfreiheit. Theologisch beruht diese Vorstellung auf dem durch Christus – in Gewaltlosigkeit – geschenkten Frieden zwischen Gott, Menschen und Mitwelt (EKD 2025, 25). Im Leben Jesu wird die versöhnende Haltung greifbar (vgl. Lesung aus Mt 5). Christi Auferweckung begründet die Hoffnung, Gewalt zu überwinden.
Auf der anderen Seite plädieren Christ*innen dafür, im Kontext eines „Gerechten Friedens“ den Schutz vor Gewalt zu stärken. Dies hebt etwa die aktuelle Denkschrift der EKD hervor. Das Gebot der Nächstenlieben – so lautet das theologische Argument –, gebiete auch den Schutz vor Gewalt. Dieser Schutz umfasst die individuelle, körperliche und seelische Unversehrtheit. Das beinhaltet auch den Schutz des staatlichen Gewaltmonopols und territorialer Grenzen. Der Fokus dieser „robusten“ Friedensethik bezieht militärische Abschreckung ein.
Ich stelle die beiden Positionen grob und vereinfachend dar, um sie zu verdeutlichen.
Beiden Seiten geht es um „Friedenstüchtigkeit“. Beide Ansätze vertreten das Leitbild eines Gerechten Friedens. Vier Dimensionen dieses Leitbildes bedingen einander wechselseitig: Ein Gerechter Friede entsteht dort, wo neben der Waffenruhe auch Freiheit in Gemeinschaft aufscheint. Er beruht sodann auf gerechten Lebensverhältnissen sowie einem gedeihlichen Zusammenleben möglichst aller Menschen in Freiheit und Gleichheit. Hinzu tritt der Schutz vor Gewalt hinzu. Hier besteht der skizierte Dissens.
Das klingt, nein, es ist anspruchsvoll. Zumal die Konzeption eines Gerechten Friedens auf der Anerkennung einer universalen, international anerkannten Rechtsordnung beruht. – Wie geht man mit Autokraten um, die nicht gewillt sind, das internationale Recht zu halten?! Dennoch: Das ökumenische Leitbild des Gerechten Friedens ist keine weltfremde Träumerei. Es soll auch über die Kirche hinaus anregen, über die Bedingungen eines Gerechten Friedens nachzudenken. Konkret: Wer verdient an der aktuellen Rüstungsspirale? | Wie können Initiativen gestärkt werden, die im Raum der Zivilgesellschaft die Demokratie stärken und zur Friedensbildung beitragen? „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ – Utopische Worte wie dies des Propheten Micha mahnen die Kirche, sich nicht mit einfachen Antworten zu begnügen und einen Gerechten Frieden im Blick zu halten.“
Hauptpastor und Propst Dr. Martin Vetter
In einem entfalteten Kyrie-Gebet und den Fürbitten haben wir unsere Einsichten, Sorgen und Hoffnungen angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage formuliert und Gott anvertraut:
Fürbitten
„1. Herr, in den letzten Wochen haben wir im Angesicht einer unvollkommenen Welt viel über die Voraussetzungen und Bedingungen für einen gerechten Frieden nachgedacht - Frieden zwischen Staaten und Völkern, Frieden in unserer Gesellschaft, Frieden in der Begegnung mit unseren nächsten Mitmenschen
Jetzt, Herr - bitten wir Dich: gib uns Kraft und Mut, dass wir das uns Mögliche dazu beitragen und den Worten Taten folgen lassen - lass uns dabei nicht vor der Größe der Probleme zurückschrecken, sondern in Deinem Geist und in der Hoffnung auf Frieden kleine verbindende Schritte in unserem Alltag wagen, Trennendes anzuerkennen und Feindschaften zu überwinden, Gespräche und Begegnungen dort zu suchen, wo Sprachlosigkeit herrscht. Wir singen gemeinsam: Kyrie Eleison. (EG 178.12)
2. Wir bitten Dich für die Mächtigen der Welt, die rücksichtslos Gewalt rechtlos für ihre Interessen einsetzen: gib ihnen Erkenntnis, Mut und Kraft für die Umkehr, öffne Ihre Herzen und Seelen, damit sie im Angesicht des unermesslichen Leids ernsthaft nach Wegen für den Frieden suchen. Wir bitten Dich, gib denen, die über wirtschaftliche in Verbindung mit technologischer Macht verfügen, die Einsicht, dass die Technik nicht den Menschen beherrschen soll, und lass sie im Bewusstsein dieser Verantwortung handeln. Kyrie Eleison.
3. Wir erinnern heute besonders an das Leiden und Sterben der Menschen im Iran.
Sie gehen auf Straßen und Plätze, weil sie für ihre Menschenrechte aufbegehren.
Dafür werden sie gejagt, gefangengenommen und getötet.
Wir beten zu Dir, Gott, weil unsere Kraft nicht ausreicht, um die Gewalt zu stoppen.
Aber wir hören nicht auf, an das Gute zu glauben und auf Frieden zu hoffen.
Hilf, Herr, dass das Böse vom Guten überwunden wird. Kyrie Eleison.
Amen.“
Dr. Jan Tolkmitt und das Team der Politischen Kanzel
Kyrie - Gebet
„Wir wenden uns zu Dir, Gott, mit allem, was uns bewegt: mit unseren neuen Einsichten und unseren alten Sorgen, mit unserer Sehnsucht nach Frieden und dem Wissen um unsere Grenzen.
Liturgin: Barmherziger Gott, wir sehen die Nachrichten und wissen um die komplexen Zusammenhänge von Gewalt, Unrecht und Krieg in unserer Welt. Wir bekennen, dass unser Leben, unser Wohlstand und unsere Sicherheit hier in Hamburg oft unentrinnbar mit den Strukturen verbunden sind, die andernorts Leid und Not verursachen. Angesichts der globalen Verstricktheit fühlen wir uns oft schuldig und ohnmächtig zugleich.
Unsere Schuld, von der wir wissen oder die wir erahnen, wie auch die Schuld, die uns nicht bewusst ist bringen wir vor dich und singen im Wechsel: Kyrie eleison. Herr, erbarme dich.
Liturgin: Christus, wir haben Weihnachten gefeiert: Du, Friedefürst, bist in unser Welt gekommen. Unsere Herzen hören deinen Ruf zur Feindesliebe und zur Gerechtigkeit. Doch wir bekennen, dass unser Herz oft mutlos ist. Manchmal lähmt uns die Größe der Aufgabe, und die Sorge nagt, wie unser Handeln die Weltlage verändern kann. Angesichts unserer eigenen Ohnmacht und Ratlosigkeit legen wir alles, was uns von Dir trennt in Deine Hände und singen im Wechsel: Christe eleison. Christe, erbarme dich.
Liturgin: Gott, Heiliger Geist, du Kraft des Wandels. Wir denken nach, diskutieren und beten. Wir möchten für den Frieden handeln. Wir bekennen, dass die Kluft zwischen unserem Reden und unserem Tun oft groß ist. Heiliger Geist, auf Deine Kraft hoffen wir! Gib, dass unsere Erkenntnisse nicht nur im Kopf bleiben. Erbarme dich unseres Zögerns und schenke uns Mut, uns wirkungsvoll jeden Tag neu für Frieden einzusetzen – mit Fantasie, Geduld und langem Atem. Wir bitten dich und singen im Wechsel: Kyrie eleison. Herr, erbarm dich über uns.“
In der Hoffnung, dass Gott uns vergibt und all unsere Schuld auf sich nimmt, hoffen wir auf die Zusage von Gottes Gnade und Liebe bis in alle Ewigkeit.
Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jesaja 54, 10)“
Pastorin Dr. Reingard Wollmann-Braun